Historische Landschaftsanalyse

Betreuer: Prof. Dr. Roweck, Ökologiezentrum Kiel,hroweck@ecology.uni-kiel.de
Bearbeiterinnen: Silke Marr, Karen Rinke (Projektarbeit am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Zielsetzung der historischen Landschaftsanalyse

Ziel und Inhalt der historischen Analyse ist es, Beiträge zur Klärung naturwissenschaftlicher Fragen bei der Landschaftsentwicklung zu liefern. Hierzu gehört:

  • das Aufzeigen gewachsener räumlicher Besiedlungen zwischen gleichartigen Ökosystemen und damit
  • die räumliche Lage potentieller Wiederbesiedlungsquellen für neu zu gestaltende Strukturen
  • die historische Standorteignung bestimmter Landschaftselemente für zukünftige Nutzungen
  • das Aufzeigen (möglicherweise verborgener) biotischer und abiotischer Landschaftspotentiale sowie
  • des Infrastrukturnetzes der alten Kulturlandschaft als Bezugsbasis für eventuell vorzunehmende Flächenneugliederungen.

 

Chronik

13.–14. Jahrhundert

Das Zehntregister des Ratzeburger Bischofs Gottschalk von 1230 nennt Ritzerau (früher auch Ritzerow oder Ritzerowe) als zum Kirchspiel Nusse gehörend. Das Geschlecht der Edlen von Ritzerau wird 1222 erstmals erwähnt. Die Größe ihres Besitzes deutet darauf hin, dass die Familie schon Generationen vor der ersten urkundlichen Nennung im Besitz von Dorf und Hof Ritzerau war. Dies belegen auch beurkundete Verpachtungen und Verkäufe an die Stadt Lübeck zwischen 1370 und 1468.

15. Jahrhundert

Ein Jahrhundert lang lebten die zahlreichen Angehörigen des Geschlechtes der Edlen von Ritzerau vom Ausverkauf ihrer Besitzungen bis zu ihrem Aussterben. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erwarb der Rat der Stadt Lübeck den Rittersitz und das Dorf Ritzerau. 1469 oder 1472 erteilte der sich der Machtausweitung Lübecks widersetzende Herzog Johann IV. von Sachsen-Lauenburg den lehnsherrlichen Konsens.

16.–18. Jahrhundert

Auf Ritzerau wurde ein Vogt als Beamter des Rates eingesetzt, dessen Aufgabe die Bewirtschaftung und Beaufsichtigung des Schlosses und des zugehörigen Hofes war. Von da an trafen sich hansische Kaufleute auf dem Schloss Ritzerau, um sich mit Jagd und Fischfang zu vergnügen. 1560 wurde, nachdem die Gerichtsbarkeit der Kämmerei der Stadt beigelegt worden war, aus dem Vogt ein Amtmann.
Im Juni 1562 fand zum ersten mal das Landgericht auf Schloss Ritzerau statt und von da an mehrmals im Jahr.
Der 30jährige Krieg brachte Ritzerau 1625 Probleme in Form einer dänischen Einquartierung und des Winterquartiers Mansfelder Söldner. Das durch die Kriegswirren beschädigte Schloss wurde abgerissen und 1634 neu in Form einer Befestigungsanlage wieder aufgebaut. In dem „Langen Saal“ des neuen Schlosses Ritzerau tagte wieder das Gericht.
1583 hatte ein langwieriger Prozess begonnen, durch den das Herzogshaus Ratzeburg-Lauenburg den Rückerwerb Möllns und der Vogtei Ritzerau anstrebte. Bei einem Hauptvergleich 1747 blieben sechs der ehemaligen Ritzerauer Dörfer bei Lübeck. 1772 brannte das Dorf Ritzerau fast völlig ab und musste durch Mittel der lübschen Stadtkasse wieder aufgebaut werden.

19.–20. Jahrhundert

Mit der Zeit verfiel das Ritzerauer Schloss so stark, dass es 1845 abgebrochen werden musste. Ein Neubau kam nicht zustande. 1851 tagte zum letzten mal das Landgericht in Ritzerau.
1923 brannte der reetgedeckte Viehstall auf dem Ritzerauer Hof nieder. Ebenfalls 1923 wurde die 1547 erbaute Ritzerauer Hofscheune abgerissen. Möglicherweise entschloss man sich unter dem Eindruck des Brandunglücks zu diesem Schritt.

Abbildungen

 

Landschaftsstrukturen

Abb. 1: Übersicht über die Veränderungen der Landschaftsstrukturen auf Gut Ritzerau und Umland.

 Flächenpotential

Abb. 2: Quantitative Veränderungen der Flächenpotentiale im Wandel der Zeit.

 

Daten und Quellen der benutzten Karten 

Karte1

Karte 1: Auszug aus einer Karte von 1735, Zeichner E. Braun, Fundort: Landesarchiv Schleswig.

 

Karte2
Karte 2: Auszug aus der Topographisch Militärischen Karte des Herzogtum Lauenburgs von 1789–1796, Zeichner: Varendorf, Fundort: Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein.

 

Karte3
Karte 3: Auszug aus einer Karte vom Herzogtum Lauenburg, entworfen 1844.

 

Karte4
Karte 4: Auszug aus der königlich Preussischen Landesaufnahme, herausgegeben 1881 mit einzelnen Nachträgen von 1924, Fundort: Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein.

 

Karte5
Karte 5: Auszug aus einer Topographischen Karte von Nusse, 1978, Fundort: Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein.



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