Zoologische Untersuchungen III

Schlechte Zeiten für Steppenvögel im konventionellen Ackerbau

Brutvögel landwirtschaftlicher Flächen reagieren sensibel auf strukturelle Veränderungen - sie sind ideale Zeigerarten für die Auswirkungen der Nutzung. Kaum eine Vogelartengruppe in Mitteleuropa ist derzeit stärker im Rückgang als die Vogelarten der Agrarlandschaft, die insgesamt 2/3 der Fläche Schleswig-Holsteins einnimmt.

Unsere bekanntesten Brutvögel der Ackerlandschaften - Feldlerche und Rebhuhn - sind ursprüngliche Steppenbewohner. Ihre Zahlen nehmen überall in Schleswig-Holstein rapide ab. Dasselbe Ergebnis bot sich zum Beginn des Biomonitorings auf Hof Ritzerau: Der bis 2001 monotone Anbau von Winterraps und Wintergetreide lässt diesen bekannten Acker-Brutvögeln keine geeigneten Flächen zur Brut: Die Vegetation ist zu hoch und zu dicht, trocknet nach Regen nur langsam ab und entspricht in keiner Weise mehr den sonnigen und trockenen Steppen-Lebensräumen: Mit dem Aufwachsen der Vegetation verlassen Feldlerchen ihre Reviere: Bereits bei 40 cm Wuchshöhe des Getreides wurden 7 von 18 Revieren aufgegeben. Zuletzt verblieben drei Brutpaare.

 Nur wenige Vogelarten kommen mit diesen Bedingungen noch zurecht: Die Schafstelze als Hochstaudenbewohner findet im Winterraps zusagende Brutbedingungen. Doch die Ernährung ist unter solchen Bedingungen nur in Nachbarschaft zu naturnahen Flächen gesichert. Solche Flächen, z.B. die Niederung des Duvenseebaches, grenzen an Hof Ritzerau und sind zukünftig durch Naturschutzmaßnahmen gesichert. Die weitere Entwicklung der Vogelwelt soll im Zuge der Umstellung der landwirtschaftlichen Nutzung langfristig dokumentiert werden. Die Kenntnisse über mögliche Auswirkungen sind noch gering, da zeitlich lang angelegte Studien weitgehend fehlen. Es ist zu erwarten, dass eine größere Fruchtvielfalt mit unterschiedlicher Wuchshöhe, die Kleeuntersaat bei Getreide und die Anlage von Saumstreifen zu einer Erhöhung der Strukturvielfalt und damit zu einer Verbesserung der Nahrungsgrundlage führen wird. Da aber u.a. die mechanische Bodenbearbeitung zunehmen wird, warten zahlreiche offene Fragen auf eine Beantwortung.

 

Ansprechpartner

Dipl. Biol. Bernd Koop, Email: Bernd.Koop@worldonline.de
Büro für Feldornithologie
24306 Lebrade




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