Teilprojekt: Amphibien

Erfassung der Amphibienbestände in ihren Laich- und Landhabitaten

Zusammenfassung

Im Rahmen des Teilprojekts werden die Effekte des ökologischen Landbaus auf Amphibien und ihre Habitate untersucht. Zusätzlich werden die Auswirkungen der Sanierung von Amphibienlaichgewässern betrachtet. Zu diesem Zweck werden im zweijährigen Turnus die reproduzierenden Tiere sowie Laich, Larven und Juvenile an den Laichgewässern des Betriebsgeländes halbquantitativ erfasst. Um Aussagen zur Nutzung der Landhabitate zu erhalten, werden die Amphibienfänge aus den Bodenfallen der laufenden Laufkäferuntersuchung ausgewertet. Einbezogen werden dabei die Ackerflächen und ihre Säume. 

Stichwörter

Amphibienökologie, Erfassung, Laichgewässer, Landhabitate

 

Teilprojektinformationen

Teilprojektlaufzeit: Seit 01.04.2002 
Wissenschaftliche Koordination: Prof. Dr. Tim Diekötter

Wissenschaftliche Bearbeiter: Dipl. Geogr. Christian Winkler

 

Fragestellung

Seit einigen Jahren werden in Deutschland gezielt Untersuchungen zur Wirkung der konventionellen landwirtschaftlichen Nutzung auf Amphibien durchgeführt (z. B. Hachtel et al. 2006, Krone et al. 1999, Voigtländer et al. 2001). Von ökologisch bewirtschafteten Betrieben liegen demgegenüber bislang kaum Untersuchungen vor (z. B. Fuchs & Stein-Bachinger 2008, Stein-Bachinger et al. 2010). Die Beeinflussung von Amphibienbeständen durch den ökologischen Landbau ist auf dieser Grundlage nicht fundiert einzuschätzen. Positive Effekte, wie die Zunahme potenzieller Beutetiere, könnten beispielsweise durch ein erhöhtes Mortalitätsrisiko wandernder Tiere infolge vermehrter mechanischer Bodenbearbeitung relativiert werden (vgl. Krone et al. 1999, Voigtländer et al. 2001).

 Ziele

  • Ermittlung von Spektrum und Häufigkeit der Arten
  • Abschätzung von artspezifischen Präferenzen bzgl. bestimmter Betriebs- bzw. Anbauflächen als Landhabitat
  • Abschätzung der Wirkung von Naturschutzmaßnahmen, die auf eine Erhöhung der strukturellen Vielfalt abzielen (z. B. Neuanlage von Gewässern)

 

Methodische Durchführung

  • Erfassung von früh und spät im Jahr laichenden Amphibien an den Gewässern zur Ermittlung des Spektrums und der Häufigkeit der Arten
  • Erfassung von Laich und Larven aller Arten an den Gewässern als Hinweis auf Fortpflanzungshabitate
  • Erfassung von Amphibien in ihren Landhabitaten anhand von Bodenfallen zur Ermittlung der möglichen Präferenz bzw. Meidung bestimmter Kulturen.

 

Ergebnisse

 Von 2002 bis 2011 wurden in den 14 Untersuchungsgewässern die acht Arten Teichmolch (Lissotriton vulgaris), Kammmolch (Triturus cristatus), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Erdkröte (Bufo bufo), Laubfrosch (Hyla arborea), Moorfrosch (Rana arvalis), Grasfrosch (Rana temporaria) und Teichfrosch (Pelophylax kl. esculentus) erfasst. Vier von ihnen gelten landes- bzw. bundesweit als bestandsgefährdet oder zurückgehend. Die Anzahl der in den einzelnen Jahren als Laichhabitat dienenden Gewässer ist deutlichen Schwankungen unterworfen. Wichtige Ursache hierfür ist die fortgeschrittene Verlandung vieler Kleingewässer, die dazu führt, dass die Laichhabitate in trockenen Sommern frühzeitig austrocknen. Seit dem Jahr 2005 wurden mehrere Kleingewässer auf Hof Ritzerau saniert. Als besonders geeignet stellten sich dabei zum einen die Neuanlage von Kleingewässern und zum anderen der Gehölzrückschnitt an tieferen Kleingewässern heraus. Derartige Kleingewässer wurden auch schnell von bestandsgefährdeten Arten wie dem Laubfrosch als Laichhabitat angenommen. 

 Neben der Untersuchung der Laichgewässer wurden die Amphibienfänge aus Bodenfallen (Zeitraum Mai 2001 bis April 2004) ausgewertet. Das Gros der vorliegenden Amphibienfänge entfällt auf Säume (10,4 Amphibien je 1.000 Fallentage), was die besondere Bedeutung dieser Landschaftselemente unterstreicht. Von den Kulturarten wurden die meisten Amphibien auf konventionellen Winterweizen (2,9 Amphibien je 1.000 Fallentage) und Wintergersteflächen (2,6 Amphibien je 1.000 Fallentage) erfasst. Die im Vergleich dazu geringeren Werte auf Flächen mit Öko-Winterweizen (0,7 Amphibien je 1.000 Fallentage) werden auf die im Betrachtungszeitraum geringe Anbaufläche und -zeit zurückgeführt. Höhere Fangzahlen liegen ansonsten für Flächen mit Öko-Hafer (1,3 Amphibien je 1.000 Fallentage) und konventionellen Winterraps (1,0 Amphibien je 1.000 Fallentage) vor. Einen Vergleich zwischen den konventionell und ökologisch bewirtschafteten Flächen lassen die bisherigen Daten noch nicht zu. Zu Letzteren liegen bislang nur Daten aus zwei Jahren vor, von denen sich eines durch besonders trockene Witterungsverhältnisse auszeichnete.

 

Literatur

  • Hachtel, M. et al. (2006): Dynamik und Struktur von Amphibienpopulationen in der Zivilisationslandschaft. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 30, 420 S.
  • Fuchs, S. & K. Stein-Bachinger (2008): Naturschutz im Ökolandbau. Mainz, 144 S.
  • Krone, A., Baier, R. & N. Schneeweiß (1999): Amphibien in der Agrarlandschaft. – Rana Sonderheft 3, 119 S.
  • Stein-Bachinger, K. et al. (2010): Naturschutzfachliche Optimierung des Ökologischen Landbaus „Naturschutzhof Brodowin“. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 90, 409 S.
  • Voigtländer, U., Scheller, W. & C. Martin (2001): Ursachen für die Unterschiede im biologischen Inventar der Agrarlandschaften in Ost- und Westdeutschland. – Angewandte Landschaftsökologie, Heft 40, 408 S.


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