Teilprojekt: Floristische Diversität

Floristische Diversität der Ackerstandorte

Zusammenfassung

Bei der Erfassung der aktuellen und potentiellen floristischen Diversität der Ackerstandorte geht es zunächst um die Erfassung der Segetal- und Ruderalflora auf und am Rande der bewirtschafteten Flächen des Betriebes. Die Dynamik der Bestände sowie Veränderungen, die sich durch wechselnde Feldfrüchte ergeben, werden über die regelmäßige Beprobung ausgewählter Flächen erfasst. Zur Beurteilung der potentiellen Vegetation dienen ergänzende Samenbankanalysen, die Hinweise auf die im Boden ruhenden Arten geben, die durch bestimmte Maßnahmen zum Erscheinen in der aktuellen Vegetation gebracht werden können.
Ferner wurde in Aussaatexperimenten getestet, welche zusätzlichen Ansiedlungsspielräume für naturraumtypische Arten vorhanden sind und ob sich diese längerfristig in die Begleitvegetation integrieren lassen. 

Stichwörter

Segetalflora, Ruderalflora, Samenbank, Ackerstandorte

Teilprojektinformationen

Teilprojektlaufzeit: seit 01.03.2001
Wissenschaftl. Koordination: Prof. Dr. Tim Diekötter
Ehemalige Mitarbeiter: Dipl. Biol. Oliver Geweke

 

Aktuelle und potentielle floristische Diversität intensiv genutzter Agrarlandschaften

Dieses Teilprojekt beschäftigt sich mit der Frage, ob eine charakteristische und artenreiche Ackerwildkrautvegetation unter einer intensiven, ökologischen Bewirtschaftung erneut entstehen kann oder, ob sie durch Einsatz von geeigneten Saatmischungen neu etabliert werden muß. Hierzu wird die Veränderung der Segetalflora vor und während der Umstellung des Hofes Ritzerau auf ökologischen Landbau dokumentiert. Zum Aspekt der Biotopneugestaltung wird die Effizienz der verschiedenen Ansätze des biotischen Ressourcenschutzes in intensiv genutzten Agrarlandschaften untersucht. Dabei stehen sich der integrierende Ansatz, der die Einbeziehung ganzer Landschaften in den Ressourcenschutz vorsieht und der segregierende Ansatz, mit der Herausnahme von Vorrangflächen aus der intensiven Nutzung, gegenüber. Durch Aussaatversuche soll geklärt werden, ob Artenschutz durch Einsaat langfristig möglich ist und welcher Ansatz für die Etablierung von Segetalarten sinnvoll ist.

 

Dazu werden in zwei verschiedenen Fruchtfolgesystemen Dauerbeobachtungsflächen angelegt und eine eigens konzipierte Saatmischung ausgebracht. Bei der ersten Fruchtfolge handelt es sich um das Bicropping-System, welches die Direktsaat von Getreide in einen bestehenden Weißkleebestand vorsieht. Die zweite Variante sieht eine 4-gliedrige Fruchtfolge mit Rotklee-Weidelgras, Hafer, Körnerleguminose und Winterweizen vor, also einer N-intensiven Fruchtfolge mit 50 % Leguminosenanteil. Den segregierenden Ansatz verfolgt das Aussaatexperiment an einem Ackerrand, bei der eine zweite Mischung zum Einsatz kam, die neben Ackerkräutern eine Anzahl an Saumarten enthielt.

 

Fragestellungen

  1. Welchen Effekt hat die Umstellung der Wirtschaftsweisen auf die Vegetation und die Diasporenbank der Randbereiche und Äcker?
  2. Welche dauerhaften Auswirkungen auf den Artenreichtum und die Stabilität von Agrarökosystemen hat die Anlage von Ackerrand- und Ackerkrautstreifen durch Einsaat einer Samenmischung bzw. die Verbreiterung von Randbereichen?
  3. Sind Randbereiche und Ackerkrautstreifen als Diasporenquelle von Bedeutung für den Artenreichtum von Äckern?
  4. Läßt sich die botanische Diversität langfristig im Rahmen des pflanzenbaulichen Systems des Bi-Cropping unter Einsatz einer geeigneten Ackerwildkraut-Samenmischung erhöhen?
  5. Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig (Saatdichten, Mulchtermine, etc.)?
  6. Wie entwickeln sich eingebrachte Wildarten unter den gegebenen Bedingungen?

 

Methodik

Vegetationskartierung

Aus dem Vergleich der jährlichen Vegetationsaufnahmen untereinander und mit den Ergebnissen aus Samenbankuntersuchungen soll die Artenverschiebung während und nach der Umstellung dokumentiert werden. Das Monitoring wird auf Basis eines 50x50-m-Rasters auf der gesamten ackerbaulich genutzten Fläche durchgeführt. Zur Beschreibung der Bestände wurde, wegen ihrer guten Eignung für numerische Analysen, die Artmächtigkeitsskala von BARKMAN et al. (1964) verwendet. Für die Untersuchung der Diasporenbank wurden vor Einsetzen der ökologischen Bewirtschaftung an den entsprechenden Rasterpunkten Bodenproben gezogen. Diese Proben wurden im Gewächshaus ausgebracht und die aufgelaufenen Keimlinge bestimmt und ausgezählt. Nach Abschluß der Umstellung wird dieses erneut durchgeführt, um Veränderungen der Diasporenbank zu analysieren.

 Aussaatexperimente

 Bicropping

Bicropping sieht die Einsaat von Getreide in eine existierende Klee-Untersaat vor. In einem mehrfaktoriellen, hierarchisch angelegten Experiment, das unterschiedliche Saatdichten (Wildkräuter), Mulchtermine, Feldfrüchte und Untersaatdichten (Klee) umfaßt, sollen die für die Etablierung und Überdauerung einer möglichst artenreichen Wildkrautflora notwendigen Bedingungen geklärt werden. 

 

Folgende Versuchsanordnung wurde angelegt:

  1. Kontrolle (8 Parzellen)
  2. Reine Samenmischung in den Saatdichten 1 und 2,5 g/m² (12 Parzellen)
  3. Bicropping ohne Samenmischung (12 Parzellen)
  4. Bicropping mit Samenmischung in unterschiedlichen Saatdichten (37 Parzellen)

 

Fruchtfolge mit 50 % Leguminosenanteil

In diesem System wurden 18 Parzellen angelegt. Jeweils 6 Parzellen fallen auf die Varianten:

  1. Kontrolle (ohne Einsaat)
  2. Einsaat mit 1 g/m² Saatmischung
  3. Einsaat mit 2,5 g/m² Saatmischung

 

Ackerkrautstreifen

Dieser Wildkrautstreifen wurde mit einer speziell hierfür entwickelten Saatmischung angelegt, die einen hohen Anteil an Saumarten enthält (vgl. Tab.2). Es wurden 16 Parzellen je 10 m² eingerichtet. 4 Parzellen liegen an einem Waldrand, jeweils zwei mit einer Saatdichte von 1 bzw. 2,5 g/m². 12 Parzellen befinden sich an einem Wirtschaftsweg, auch hier jeweils mit den Saatdichten 1 und 2,5 g/m² und als zusätzliche Varianten unterschiedliche Pflegemaßnahmen wie etwa verschiedene Mulchtermine oder Brache. In beiden Aussaatexperimenten werden Daten über Artenzahl, Deckungsgrad, Biomasse und Blütendichte erhoben, die jährlich ausgewertet und miteinander verglichen werden. Artenzahl und Deckungsgrad lassen sich aus den Vegetationsaufnahmen der einzelnen Parzellen ablesen. Die Biomasse ergibt sich aus dem getrockneten oberirdischen Aufwuchs/m². Die Blütendichte liefert Aussagen über das Potential zur Förderung von Nützlingen wie z.B. nektar- und pollenfressende Imagines von Arten mit entomophagen Larven (Syrphidae) (MOLTHAN und RUPPERT 1988).



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