Pflanzenbau - Kleegrasmanagement

Optimierung des Kleegrasmanagements unter besonderer Berücksichtigung der Möglichkeit einer ganzjährigen Außenhaltung (Winterweide)


Projektlaufzeit: 2004–2007
Projektbearbeiter: Derk Westphal

Ertrag, Futterqualität, Stickstofffixierungsleistung und Vorfruchtwert von Kleegras lassen sich durch die Art der Bewirtschaftung (Beweidung, Schnitt- oder Mulchnutzung) sowie durch die Wahl der Ansaatmischung beeinflussen (Loges, 1998; Dreymann, 2005). Die genannten Faktoren haben des Weiteren einen Einfluss auf die Nitratverlagerung mit dem Sickerwasser. So können ausschließlich beweidete oder ausschließlich mulchgenutzte Kleegrasflächen zu Stickstoff-Austrägen führen, deren Nitratkonzentration im Sickerwasser weit über dem EU-Trinkwassergrenzwert von 50 mg l–1 NO3 liegt (Büchter, 2003; Dreymann, 2005). Nitratausträge sind nicht nur im Hinblick auf die Umweltbelastung als problematisch zu betrachten, sie stellen aus betriebswirtschaftlicher Sicht zusätzlich den Verlust eines knappen Produktionsfaktors dar.

Die Schnittnutzung von Kleegrasbeständen setzt im Vergleich zur Mulchnutzung eine erhöhte Betriebsflexibilität voraus. Im Vergleich zur Weidenutzung ist die Schnittnutzung mit wesentlich höheren Produktionskosten belastet. Aufgrund der in Zukunft steigenden Energiekosten wird die relative Vorzüglichkeit der Beweidung gegenüber der silagebasierten Stallhaltung zunehmen. Die Winterweidehaltung von Mutterkühen und Fleischrindern stellen vor diesem Hintergrund interessante Haltungsverfahren dar. Insbesondere auf Hof Ritzerau ergeben sich durch das kombinierte Management von Ackerkleegras und ökologisch wertvollem Dauergrünland sehr gute Voraussetzungen für eine ökologisch nachhaltige Umsetzung dieses Haltungsverfahrens. Zum einen lassen sich die gewöhnlich bei Winterbeweidung von feuchtem Grünland auftretenden, schwer reparablen Trittschäden auf das ohne hin im Frühjahr zwecks Ausaat von Sommergetreide umgebrochene Kleegras verlagern, zum anderen ist die Gefahr der Nährstoffausträge aus dem Wurzelraum auf den schwereren Ackerböden geringer als auf den vergleichsweise gering bonitierten Grünlandflächen. Hinzu kommt, dass bei der Winterweide im Vergleich zur klassischen Beweidung im Spätsommer oder Frühherbst die Exkremente wesentlich später anfallen und damit die Gefahr der endgültigen Auswaschung der darin enthaltenen Nährstoffe aus dem Wurzelraum wesentlich geringer ist. Zur Eignung verschiedener Ackerkleegrasmischungen für die Winterbeweidung liegen bislang jedoch kaum Untersuchungen vor. Im Rahmen des Projektes „Hof Ritzerau“ werden vor diesem Hintergrund Feldversuche durchgeführt, in denen die folgenden Versuchsfaktoren und Faktorstufen geprüft werden (siehe Abbildung): 

1. Versuchsfaktor Nutzungssystem:

  • Schnittnutzung
  • Gründüngung (3 Mulchschnitte)
  • Mähweide (2 Siloschnitte + Beweidung des letzen Anfwuchses Anfang Oktober)
  • Winterweide I (2 Siloschnitte + Beweidung des letzten Aufwuchses Anfang Dezember)
  • Winterweide II (2 Siloschnitte + Beweidung des letzten Aufwuchses Anfang Januar) 


2. Versuchsfaktor Leguminosenart:

  • Weißklee
  • Rotklee
  • Luzerne

 

3. Versuchsfaktor Grasart:

  • Deutsches Weidelgras
  • Rohrschwingel

 

Das Deutsche Weidelgras ist die bevorzugte Grasart im Kleegrasanbau (Loges und Wachendorf, 1998). Allerdings ist dieses nicht wintergrüne Gras für die Winterweide aufgrund der schnellen Abnahmen der Futterqualität nach Ende der Vegetationsperiode nur bedingt geeignet. Der wintergrüne Rohrschwingel erscheint dagegen für Winterweiden gut geeignet. Diese Grasart zeichnet sich vor allen Dingen durch seine hohe Resistenz gegen futterqualitätsverschlechternde pilzliche Krankheitserreger sowie durch sein ausgeprägtes Wurzelwerk aus. Letzteres verspricht positive Beiträge zum Humushaushalt bzw. birgt Potentiale in Bezug auf eine Reduktion von Nitratauswaschungen. 

 

In den Feldversuchen werden die folgenden Parameter erhoben: 

a) zum jeweiligen Nutzungszeitpunkt des Kleegrases:

  • Ertragsleistung
  • Leguminosenanteil
  • Verdaulichkeit der organischen Substanz
  • Nettoenergiekonzentration
  • Rohproteingehalt
  • Weidereste

 

b) zum Ende bzw. Beginn der Vegetationsperiode:

  • Ernterückstandsmenge und deren N-Gehalte
  • Bodenstickstoffgehalte (N min, N org)

 

c) basierend auf Ertrag, Ernterückstandsmenge und Bodenstickstoffgehalt:

  • Berechnung der N2-Fixierungsleistung

 

d) in der Sickerwasserperiode:

  • Erhebung der Nitratkonzentrationen im Sickerwasser und der N-Auswaschung durch wöchentliche Beprobung von keramischen Saugkerzen

 

e) in der Folgefrucht Sommerweizen:

  • Ertragsleistung
  • Rohproteingehalt und Backfähigkeit
  • N-Aufnahme, N-Effizienz

 

Literatur

  • Büchter, M., 2003: Nitratauswaschungen unter Grünland und Silomais in Monokultur auf sandigen Böden Norddeutschlands. Schriftenreihe des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 30. Dissertationsschrift, Universität Kiel.
  • Dreymann, S., 2005: N-Haushalt unterschiedlich bewirtschafteter Rotklee-Bestände und deren Bedeutung für die Folgefrucht Weizen im Ökologischen Landbau. Schriftenreihe des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 41. Dissertationsschrift, Universität Kiel.
  • Loges, R., 1998: Ertrag, Futterqualität, N2-Fixierungsleistung und Vorfruchtwert von Rotklee- und Rotkleegrasbeständen. Schriftenreihe des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 09. Dissertationsschrift, Universität Kiel.
  • Loges, R., Wachendorf , M., 1998: Kleegras- und Luzernegrasanbau in Norddeutschland. bio-land 5, S. 28.

 

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