Teilprojekt: Brutvögel

Brutvögel der Ackerflächen und Ressourcennutzung

Zusammenfassung

In diesem Teilprojekt wird die Veränderung der Brutvogelgemeinschaft in Abhängigkeit von der Bewirtschaftungsform untersucht. Zahlreiche Studien belegen einen anhaltenden Rückgang vieler ehemals typischer Vogelarten der Agrarlandschaft im konventionellen Anbau, der sich im Zuge neuerlicher Intensivierungen (z.B. Energiepflanzenanbau) noch verschärft. Seit 2001 werden alljährlich die Brutvogelbestände der Ackerflächen mittels standardisierter Siedlungsdichteuntersuchung kartiert. Erste Ergebnisse weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Besiedlungsdichte und der Vegetationsstruktur hin. Insbesondere die Feldlerche profitiert von der geringeren Halmdichte im Getreide, wodurch wahrscheinlich ein trockeneres Kleinklima entsteht. Die Schafstelze profitiert von einem größeren Insektenangebot als Nahrungsgrundlage. Als anspruchsvollere Vogelarten einer artenreichen Agrarlandschaft treten Wachtel, Rebhuhn und Grauammer in zunehmender Stetigkeit auf, für Greifvögel der Umgebung ist das Gebiet aufgrund unterschiedlicher und auch geringer Vegetationshöhen als Nahrungsgebiet besser nutzbar. In zukünftigen Untersuchungen sollen der Bruterfolg und mögliche Langzeiteffekte erfasst werden.

Stichwörter

Brutvögel, Ackerflächen, Bruterfolg, Bestandsentwicklung

Teilprojektinformationen

Teilprojektlaufzeit: Seit 01.04.2001
Wissenschaftl. Koordination: Prof. Dr. Tim Diekötter
Wissenschaftl. Bearbeiter: Dipl. Biol. Bernd Koop

 

Erfassung der Brutvögel und ihres Bruterfolges / Brutmonitoring
Schlechte Zeiten für Steppenvögel?

Intensive Landwirtschaftliche Bodennutzung hat zu einer drastischen Verarmung der Vogelwelt der offenen Landschaft geführt. Ehemals häufige und bekannte Arten wie Wachtel, Rebhuhn oder Feldlerche sind selten geworden. Wo liegen genau die Ursachen? Hof Ritzerau bietet die Möglichkeit, die Phase der Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf ökologischen Landbau zeitnah zu verfolgen und die Auswirkungen auf die Brutvogelwelt zu dokumentieren.

Ausgewählte Ergebnisse 2001–2004

Auf den Flächen von Hof Ritzerau kommen die typischen Arten der Ackerfluren noch vor: Rebhuhn: 1–2 Reviere, Wachtel 1–5, Feldlerche: 18–35, Schafstelze 21–38, sowie 2001 62 weitere Vogelarten auf den 230 ha Betriebs- und Hoffläche. Strukturarmut, hohe Vegetationshöhe und –Dichte beeinflussen die Besiedelbarkeit für Feldvögel: ursprüngliche Steppenvögel wie Feldlerchen meiden Ackerschläge mit hoher und dichter Vegetation. Der Bestand der Feldlerche hat mit der sukzessiven Umstellung auf Ökolandbau deutlich zugenommen, 2004 wurden von 35 besetzten Revieren 26 mit erfolgreichen Bruten ermittelt, während 2001 unter konventionellem Anbau mit Wintergetreide und Winterraps von 18 Revieren 15 während der Brutzeit aufgegeben worden sind.

Die langfristig angelegte Begleitung der Betriebsumstellung soll folgende Fragen klären:

  • Wie wirkt sich die erweiterte Fruchtfolge im Zuge der Betriebsumstellung auf die Lebensraumwahl der Vögel aus?
  • Verändert sich die Nahrungsverfügbarkeit für Vögel in der Brutzeit?
  • Erhöhen sich generell Siedlungsdichte und Bruterfolg im ökologischen Landbau, oder sind diese Parameter abhängig von bestimmten Strukturen unabhängig von der Wirtschaftsweise?
  • Siedeln sich verschwundene Arten wie z. B. Grauammer oder Ortolan wieder an?
  • Und letztendlich: Sind die Ergebnisse übertragbar oder ortsspezifisch?

Kurz: Kann ökologische Landwirtschaft gleichzeitig wirtschaftlich betrieben werden und einen wesentlichen Beitrag zum Naturschutz und zur nachhaltigen Nutzung leisten, indem die typische Artenvielfalt erhalten wird?

Bisher ist die Entwicklung für Steppenvögel günstig, doch erst die nächsten Jahre werden zeigen, ob es auf Ritzerau „Schlechte Zeiten für Steppenvögel“ bleiben oder ob sich die Situation verbessert.




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