Teilprojekt: Käfer

Räumliche und zeitliche Verteilung von Lauf- und Kurzflügelkäfern auf den Agrarflächen von Hof Ritzerau

Zusammenfassung

Das Untersuchungsziel ist die Bestandsaufnahme von Laufkäfern (Carabidae) und Kurzflügelkäfern (Staphylinidae) auf den Flächen von Hof Ritzerau unter dem Nutzungswandel von konventioneller zu ökologischer Landwirtschaft. Die beiden Käferfamilie wurden repräsentativ für die Artenvielfalt der Insekten ausgesucht. 168 Bodenfallen kamen im Untersuchungsgebiet zum Einsatz. 140 davon im Raster auf den Feldern und 28 in Hecken, an Tümpeln oder in Brachen. Die Probennahme begann im Mai 2001, nur unterbrochen durch Erntetermine und Bodenbearbeitung. Folgende Fragen wurden bisher bearbeitet: - Wie war die räumliche Verteilung der vorgefundenen Arten? - Welche Arten profitierten von der Umstellung zu ökologischem Landbau? - Welchen Effekt haben Anbaufrucht, Entfernung zum Feldrand oder die angrenzenden Biotope auf Artenzahl und -reichtum?

Stichwörter

Laufkäfer, Kurzflügelkäfer, Diversität, Artenvielfalt, Artenreichtum

Teilprojektinformationen

Teilprojektlaufzeit: seit 01.05.2001
Wissenschaftliche Koordination: Prof. Dr. Ulrich Irmler
Wissenschaftlicher Bearbeiter: Dipl.-Biol. Lars Schröter

Diversität von Wirbellosen

Einleitung

Die Biodiversität der Wirbellosen-Fauna auf Ackerflächen hängt mit der Nutzung, den Stabilitätsstrukturen am Ackerrand und den umgebenden Biotopen zusammen. Laufkäfer (Carabidae) sind seit den 50er Jahren einer der Schwerpunkte ökologischer Untersuchungen in Schleswig-Holstein (Heydemann 1955; Basedow 1990, Hingst et al. 1995, Hoernes & Irmler 2004). In den letzten 20 Jahren wurden zusätzlich zu den Laufkäfergemeinschaften die Bodenparameter der Untersuchungsgebiete (z. B. pH-Wert, C org, Bodenart) gemessen, so dass für mittlerweile 228 Standorte in Schleswig-Holstein umfangreiche Datensätze vorliegen.

Für die (sukzessiv) durchgeführte Umstellung der Felder von Hof Ritzerau stellten sich die Fragen:

1) Welche Lauf- und Kurzflügelkäferarten befinden sich im Untersuchungsraum? Welche Arten dominieren die repräsentativen Gemeinschaften auf den Feldern?

2) Welcher Faktoren steuern die Verteilung der Käferarten auf den untersuchten Ackerflächen und lassen sich unterschiedliche Ausbreitungsstrategien erkennen?

3) Welche Auswirkungen hat die nach einem Jahr auf Teilflächen erfolgte Umstellung zu ökologischem Landbau auf die vorhandenen Käfer-Arten?

 

Material und Methoden 

Die Laufkäfer (Carabidae) und Kurzflügelkäfer (Staphylinidae) wurden durch den ganzjährigen Einsatz von Bodenfallen gefangen. Die Fangflüssigkeit war Ethandiol (Ethylenglykol). Die Fallen waren in einem Raster über die Untersuchungsflächen verteilt. In den Randstrukturen waren zusätzliche Bodenfallen eingegraben. Alle Fallenstandorte wurden mittels Satelliten gestützter Navigation (GPS) eingemessen.

Jedes Jahr direkt vor der Ernte wurden an jedem Fallenstandort auf den Äckern die Halmdichte und die Wildkräuter ausgezählt. Im ersten Untersuchungsjahr wurden an jedem Standort Bodenproben genommen und pH-Wert, Humusgehalt und Sandgehalt gemessen.

Zur Bewertung des prozentualen Anteils von Arten an der Grundgesamtheit (Aktivitäts-Dominanz) erfolgte die Einteilung nach Heydemann (1953) in: Eudominant: 100–30 %, Dominant: 29,9–10 %, Subdominant: 9,9–5 %, Rezedent: 4,9–1 %, Subrezedent: < 1 %. Der Renkonen-Index berechnet Ähnlichkeiten von Standorten auf Basis der vorgefundenen Arten und ihrer Häufigkeiten. Mit dem Renkonen-Index wurde eine Average-Cluster-Analyse durchgeführt. Die Artenvielfalt wurde unter Verwendung des natürlichen Logarithmus Ln als Index H S (Shannon-Weaver-Index) berechnet. Weitere Statistiken wurden mit dem Programm Statistica 6.1 (StatSoft 2004) berechnet.

 

Ergebnisse

Böden

Die Ackerflächen wiesen überwiegend mineralische Böden auf. Die Böden in der Duvenseebach-Niederung sowie der Dauerbrachen und Gehölzstreifen hatten dagegen einen deutlich höheren Humusanteil. Außerdem lag ein sehr hoher Humusgehalt in den nordwestlichen Teilen des kleinen Schlages „Koppelbusch“ vor. Dort war ein ehemaliges Moor zu Acker umgewandelt worden. Der mittlere C-org-Gehalt der Bodenproben von den Ackerflächen von Hof Ritzerau lag bei 3,6 ± 0,5 %. 124 Probenstellen wurden dem System „Acker“ zugeordnet, die Fläche Koppelbusch mit 12 Standorten wurde aus genannten Gründen zur Berechnung ausgeklammert. Der mittlere C-org-Gehalt der 34 Messstellen in Stillegungen betrug 31,4 ± 23,8 %. Der wesentliche Teil der Ackerflächen bestand aus mineralischen Böden mit nur geringen Humusanteilen.

Die pH-Werte der 2001 genommenen Bodenproben zeigten einen ausgeprägten Nord-Süd-Gradienten. Im Norden der Hoffläche waren die Böden „mittel sauer“. Der durchschnittliche pH-Wert der drei nördlichsten Schläge Fuchsberg, Abenrade und Dachsberg betrug 5,8 ± 0,5 (n = 57), der gesamte Acker war einem mittleren pH von 6,2 ± 0,6 (n = 170) „schwach sauer“.

Der Sandgehalt des Ackeroberbodens war in weiten Teilen der Hofflächen annähernd gleich. Die vorherrschende Bodenart war Lehmiger Sand bzw. Sandiger Lehm. Der Bereich mit dem lehmigsten Boden war auf dem Schlag Stutenkoppel nördlich des Solls an der Wegabzweigung zu finden. Er beschränkte sich auf die Kuppe des Schlages. Sandige Flächenabschnitte konnten auf den Hofflächen kaum festgestellt werden. Nur bei acht von insgesamt 163 analysierten Proben wurde ein Sandgehalt von über 75 % gemessen. Bei diesen handelte es sich um mehr oder minder lokal ausgeprägte Senken. In diese wurde in der Vergangenheit bei starken Niederschlagsereignissen leichte Bodenanteile von den Oberböden der Hänge hinuntergespült und dort abgelagert.

 

Anbaufrüchte und Halmdichte

2001 wurden Weizen, Gerste und Raps konventionell als Winterfrucht angebaut. Die Halmdichten erreichten im Getreide sehr hohe Werte mit durchschnittlich 489 ± 105 Halme/m². 2002 betrug die mittlere Halmzahl im Getreide 320,6 ± 68,9 Halme/m². Im konventionellen Getreide waren es 368,1 ± 102,2 Halme/m² und in den Umstellungsflächen 275,7 ± 26,1 Halme/m². Die Halmdichten des ersten Untersuchungsjahres wurden nicht erreicht (Abbildung 3). 2003 erreichte die Halmdichte das Niveau des Vorjahres. Im Getreide wurden 329 ± 67,3 Halme/m² gezählt. Unterteilt in beide Wirtschaftsformen ergaben sich 368,6 ± 89,3 Halme/m² im konventionellen und 293,5 ± 36,2 Halme/m² im ökologischen Teil der Hoffläche.

Ähnliches zeigte sich bei den Schotenfrüchten Raps und Erbsen. Der nur 2001 auf dem Dachsberg angebaute Hybrid-Raps stand mit 81,5 ± 12,5 Halmen/m² dichter als die im selben Jahr angebauten normalen Rapssorten mit 54,7 ± 28,3 Halmen/m². Im Mittel wuchsen 66,7 ± 25,9 Raps-Halme/m². In den folgenden Jahren reduzierte sich das Mittel aus beiden Früchten auf 37,5 ± 13,8 (2002) und 35,1 ± 6,5 Halme/m² (2003). Die Anzahl der Rapshalme nahm während der Untersuchung signifikant um Zweidrittel ab. 2002 wuchsen durchschnittlich 34,4 ± 18,3 Halme/m², 2003 waren es 20,2 ± 6,3 Halme/m².

  

 Wildkräuter 

 

2001 wurden die Felder konsequent konventionell behandelt und nur in vereinzelten Bereichen der Hofflächen wuchs vom Betreiber unerwünschte Begleitflora. 2002 nahmen die Wildkräuter auch in den konventionellen Feldern deutlich zu. Nur das Gerstenfeld Stutenkoppel war praktisch unkrautfrei. 2003 waren die nördlichen Hofflächen im zweiten Umstellungsjahr. Das zeigte sich deutlich am starken Aufkommen der Wildkräuter ab der Höhe des Doppelsolls auf dem Dachsberg. Im südlichen Teil wuchs 2003 Gerste, die wieder am effizientesten mit Herbiziden behandelt worden war. Die Rapsfelder Hellberg und Stutenkoppel waren von den Umstellungsfeldern nicht zu unterscheiden, dort blühte auf breiter Fläche Echte Kamille (Matricaria recutita), Ackerstiefmütterchen (Viola arvensis) und Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris).

Artenzahlen der Lauf- und Kurzflügelkäfer

Es wurden 124 Arten der Laufkäfer (Schleswig-Holstein: 353 Arten) und 261 der Kurzflügelkäfer (963 Arten) erfasst. Bei beiden untersuchten Käferfamilien sanken die absoluten Artenzahlen während der drei Jahre kontinuierlich: Bei den Carabiden von 108 im ersten Jahr über 100 bis auf 98 in 2003, bei den Staphyliniden von 191 über 181 auf 151 Arten.

Umgerechnet auf 100 Fallentage war bei den Laufkäfern der Median 2001 mit 6,2 Arten/100 Ft am niedrigsten. 2002 und 2003 lag der Median mit je 6,3 Arten/100Ft geringfügig höher als 2001. Dieser minimale Unterschied hatte keine statistische Relevanz. Die mittlere Artenzahl blieb unter Berücksichtigung der unterschiedlich langen Fangzeiten, hervorgerufen durch Unterbrechungen der Fangperiode wegen Ernte- und Bodenbearbeitungsmaßnahmen, im Beobachtungszeitraum gleich.

 Von den Staphyliniden wurden 2001 im Mittel am meisten Arten erfasst, der Median betrug 10,2 Arten/100Ft. 2002 lag der Wert mit 8,9 Arten/100Ft noch geringfügig unter dem Median von 2003 mit 9,1 Arten/100Ft. Der Median von 2002 und 2003 unterschied sich höchst signifikant, bzw. signifikant von dem Median 2001.

 Artenvielfalt der Lauf- und Kurzflügelkäfer

Die Werte des Shannon-Weaver-Index zeigten für die beiden Käferfamilien unterschiedliche Trends während der drei Jahre. Die Diversitätswerte der Staphylinide fielen von 2001 bis 2003 von 2,63 ± 0,33 auf 2,06 ± 0,56 ab, die Werte der Laufkäfer hingegen stiegen von 1,51 ± 0,46 über 1,70 ± 0,47 auf 1,69 ± 0,37 an. Die insgesamt auf höherem Niveau liegenden Diversitätswerte der Kurzflügelkäfer erklärten sich durch die im Vergleich zu den Laufkäfern höhere Artenzahl.

 

Artenverteilung

Die Verteilung der Laufkäferarten auf den Feldern von Hof Ritzerau war 2001 ungleichmäßig. Es gab ein statistisch signifikantes Arten- und Diversitätsgefälle von Süd nach Nord. Dieser Gradient kam in abgeschwächter Form auch in den folgenden Jahren vor. Die Artenzahlen waren im Süden am höchsten, die Diversität in den Randzonen. Im Bereich von Koppelbusch und Seekamp-2 waren die Artenzahlen ebenfalls hoch, hier durchschnitten naturnahe Strukturen wie die Au und die Knicks des Feldweges die Felder.

Artengemeinschaften

2001 und 2003 ließen sich je 14 Laufkäfer-Gemeinschaften durch den Renkonen-Index bilden, 2002 waren es neun. In sechs der 14 Gemeinschaften 2001 war Pterostichus melanarius mit einer Dominanz zwischen 76,9 % und 50 % eudominant häufig. In zwei weiteren Gemeinschaften war dieser Laufkäfer mit 32,4 % und 16,3 % am häufigsten, so dass 117 der 163 Standorte von der Art dominiert wurden. Nur im nordwestlichen Teil des Ackers Koppelbusch trat mit Nebria brevicollis eine Art des Grünlandes dominant auf. Auf dem Feld Seekamp-1 mit den sonnenexponierten Hängen kam mit Trechus quadristriatus eine Zeigerart für mittelgroße Ackerschläge auf lehmigen bis sandig-lehmigen Böden vor (Irmler & Gürlich 2004).

Das Grünland der Duvenseebach-Niederung ähnelte in der Dominanzstruktur und Artenidentität den Dauerstilllegungen, den Söllen und Knicks. In der Niederung waren mit Agonum viduum und Pterostichus nigrita zwei Zeigerarten Schleswig-Holsteins für das sehr nasse Feuchtgrünland auf Niedermoortorfen subdominant. Die in dieser Gemeinschaft häufigste Art Platynus assimilis bevorzugt kalte, schattige Bereiche und findet sich typischerweise in Gehölzen von Knicks und Teichen (Irmler & Gürlich 2004).

2002 war P. melanarius erneut in sechs von neun Gemeinschaften eudominant und in einer dominant. Im Unterschied zum Vorjahr erreichte der Käfer aber nicht mehr solch außerordentlich hohe Werte, dafür erstreckte sich seine Dominanz über 159 von 167 Standorten: Alle Standorte auf den Äckern und nahezu alle Knicks und Sölle. Lediglich in acht Standorten des Grünlandes und der Sölle waren P. assimilis und A. viduum mit 13 % und 11,6 % häufiger als P. melanarius, der in dieser Gemeinschaft die dritthäufigste Art mit 10,1 % war.

2002 waren zwei Arten zahlreicher, die im ersten Untersuchungsjahr kaum in Erscheinung traten: Agonum muelleri war mit 6,0 % subdominant die dritthäufigste Art. Anchomenus dorsalis war ebenfalls subdominant mit 9,3 %. A. muelleri ist häufig in Agrar-Grünländern und profitiert von ökologisch betriebenen Flächen (Irmler 2003). A. dorsalisreagiert empfindlich auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Art gilt als wichtiger Blattlaus-Antagonist (Basedow 1991). Nach Irmler & Gürlich (2004) ist die Art in Schleswig-Holstein typisch für kleinflächige Äcker auf warmen, trocken-sandigen Böden.

Für das niederschlagsarme Jahr 2003 ließen sich vierzehn Gemeinschaften charakterisieren. P. melanarius war, wie bereits 2001, besonders im Norden der Hofflächen mit 61,7 % eudominant. Im Süden kam die Art dominant, bzw. eudominant häufig vor mit 19,9 % bis 38,1 %. In sechs Gemeinschaften mit zusammen 23 Standorten dominierten andere Arten, die wie A. dorsalis, Bembidion guttula und B. tetracolum Trockenheit und/oder Wärme bevorzugen.

Verteilungsfaktoren

 

Der wichtigste Faktor für die Verteilung von Laufkäfer-Arten war der Abstand zu der nächsten naturnahen Struktur. In allen drei Untersuchungsjahren verringerte sich sowohl Artenzahl als auch Artenvielfalt der Carabiden signifikant bei zunehmendem Abstand zum Rand. Berücksichtigt man nur die reinen Ackerstandorte, so war dieser Trend 2003 nicht signifikant, wohl aber in den beiden Vorjahren. Der Unterschied in der Diversität zwischen den randständigen Standorten und den Feldmitten wurde von 2001 bis 2003 geringer.

Von den 124 erfassten Laufkäfer-Arten zeigten 57 Arten eine signifikante Beziehung zum Faktor „Rand“ (siehe Tabelle). Neben den dort aufgeführten 25 Carabiden-Arten mit striktem Verbreitungsschwerpunkt außerhalb der Felder (‚Schwerpunkt 0’ in der Tabelle), waren noch 14 weitere Arten ausschließlich in den als Stilllegungsstandorte zusammengefassten Söllen, Knicks oder Grünland erfasst worden. Diese Arten konnten aufgrund geringer Individuenzahlen statistisch nicht sicher zugeordnet werden.

Nur dreizehn Arten hatten ihren Verbreitungsschwerpunkt auf dem Acker. Von diesen zeigten acht Arten einen deutlichen Bezug zum Feldrand. Hierzu gehörte auch P. melanarius, die Art erreichte ihr Verbreitungs-Maximum bei etwa 150 Metern.

 Für die Kurzflügelkäfer ließ sich kein statistisch nachweisbarer Effekt durch zunehmenden Abstand zu den Saumstrukturen feststellen. Zwar waren mittlere Artenzahl und Diversität in den Randflächen und -streifen signifikant höher als in den Feldern, aber innerhalb der Schläge war kein Gradient nachzuweisen.

Deutlich reagierten die Kurzflügelkäfer in der Artenverteilung auf die Feldfrüchte, obgleich die höchsten Artenzahlen alljährlich in den Gehölzen vorkamen. Dort lag der Median bei 36 (2001 und 2002) bzw. 30 Arten (2003). Unter den Feldfrüchten war Raps mit einem Median von 25 Arten am artenreichsten, 2001 traten hier mit 33 Arten drei Arten mehr als in den Brachen auf. Die anderen Früchte Weizen, Gerste, Hafer und Erbsen unterschieden sich über den Gesamtzeitraum nicht. Die meisten Staphyliniden-Arten traten im Klee auf, der aber eine Sondereinstellung einnahm. Die Pflanzen wuchsen 2002 als Untersaat im Weizen und 2003 als Mähbrache zweijährig. Auf dem Dachsberg wurde von Herbst 2001 bis zum Frühjahr 2004 nicht gepflügt. Holland & Reynolds (2003) konnten für viele auf Feldern lebende Käfer-Arten eine Dezimierung durch die Bodenbearbeitung nachweisen .

Für die Carabiden hatten die unterschiedlichen Anbaufrüchte keine signifikante Auswirkung auf die Artenzahl oder -verteilung. 

 

Vergleich konventioneller Anbau – ökologischer Anbau

An Laufkäfern kamen in beiden Jahren signifikant weniger Arten mit gleichfalls signifikant geringeren Diversitätswerten in den Umstellungsflächen vor. 2002 lag das Verhältnis bei 18,7 ± 3,2 Arten (konventionell) zu 16,8 ± 3,9 Arten (ökologisch), 2003 bei 14,8 ± 3,8 zu 13,4 ± 3,2 Arten. Weizen war die einzige Anbaufrucht, die ab Herbst 2001 sowohl ökologisch als auch konventionell angebaut wurde. Ein Vergleich der Artenzahlen von Laufkäfern in den Weizenschlägen zeigte, dass in beiden Jahren statistisch weniger Arten in den ökologischen Schlägen auftraten.

31 Arten reagierten auf konventionelle oder ökologische Bewirtschaftung 15 Arten positiv und 16 Arten negativ (Mann-Whitney-U-Test, p < 0,05). Plausibel scheint dies bei sechs positiv reagierenden Arten und für drei Arten mit negativer Reaktion zu sein. Mit Häufigkeitszunahme reagierten Bembidion biguttatum, B. quadrimaculatum, B. properans, Harpalus tardus, Ophonus rufibarbis und Poecilus cupreus. Mit Vermeidung reagierten Amara similata und Loricera pilicornis. Beide Arten waren im Raps signifikant am häufigsten. T. quadristriatus war die dritte Art, die ökologischen Landbau, aber auch konventionell angebauten Raps mied, und im konventionellen Getreide am zahlreichsten auftrat. Die Diskrepanz zu den zuerst genannten 15 bzw. 16 Arten ergab sich aus der räumlichen Verteilung der Käferarten. Hauptsächlich im nördlichen Teil der Hoffläche wurde das Betriebssystem während der Untersuchung umgestellt. Arten, deren Verbreitungsschwerpunkt im Süden lag, wurden durch die statistischen Verfahren falsch bewertet. Ein Beispiel gibt die Verteilung von N. brevicollis. Dieser Käfer wanderte alljährlich aus den im Süden und Westen angrenzenden Grünländern entsprechend der Witterung und Anbaufrucht mehr oder minder weit in die Schläge ein. Nördlich des Querweges trat N. brevicollis in geringer Anzahl nur in sehr feuchten Jahren auf. 

 Unter den Kurzflügelkäfern zeigten 18 Arten eine Vorliebe für ökologisch betriebene Felder und 27 Arten bevorzugten die konventionellen Schläge. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen. Sowohl 2002 als auch 2003 waren die Diversitätswerte der Staphyliniden in den Umstellungsflächen höher als in den vergleichbaren konventionellen Schlägen. Die Artenzahl waren in den ökologisch betriebenen Schlägen 2002 niedriger und 2003 höher war als in den konventionellen Feldern. Es deutet sich an, dass Arten, die in den feuchten Brachen ihren Lebensraum haben, auch in Rapsfeldern und ökologischen Feldern häufiger auftreten. Ein Beispiel gibt Anotylus rugosus.

 


Artenliste der Carabidae

Für eine Artenliste der Carabidae folgen sie bitte diesem Link.


Zusammenfassung

Die Artenzusammensetzung der Laufkäfer auf Hof Ritzerau entsprach den in Schleswig-Holstein üblichen Käfer-Gesellschaften konventionell genutzter Äcker auf lehmigen bis lehmig-sandigen Böden (Irmler & Gürlich 2004). 2001 waren Artenzahl und -vielfalt der Laufkäfer auf den Feldern sehr niedrig, im Norden traf das auch 2002 und 2003 zu. Ursache kann der dort geringe Anteil naturnaher Strukturen sein. Hier lagen innerhalb der Felder lediglich drei Sölle, linienhafte Ausbreitungs-Elemente in Form von Knicks, Auen etc. fehlten. Der südliche Bereich wies eine Vielzahl unterschiedlicher Strukturelemente wie Brachen, Weideland, Knicks, und Sölle auf, diese durchschnitten den Bereich teilweise. Hauptsächlich hier, innerhalb der naturnahen Elemente, fanden sich einige stark gefährdete und besonders schützenswerte Carabiden-Arten der Roten Liste Schleswig- Holsteins.

Das Arteninventar von Agrarflächen zeichnet sich bei aller vordergründigen Gleichheit durch eine enorme regionale und zeitliche Variabilität aus (Irmler 2003). Klimatische Faktoren, Bodenart, Exposition des Ackers, Fruchtfolge und Bearbeitungszeitpunkte, angrenzenden Strukturen wie Knicks prägen die Artenzusammensetzung. Der Einfluss des Klimas wurde deutlich am Beispiel der Laufkäfer-Gesellschaften auf den Feldern. In nassen Jahren wanderten expansive Arten wie P. melanarius zahlreich in nahezu alle Habitate ein und prägten das Dominanzgefüge. In trockenen Jahren wie 2003 zog sich diese Laufkäfer-Art zurück. Thomaset al.(1998) berechneten durchschnittliche Wanderstrecken von 5,3 Metern/Tag im Hochsommer bei markierten Tieren. Symondson et al.(2002) wiesen Schnecken als ein Hauptbestandteil der Nahrung von P. melanarius nach.

Die signifikant geringere Artenzahl der Laufkäfer in den direkt vergleichbaren ökologischen Weizenschlägen, im Gegensatz zu den Kurzflügelkäfern, kann in der besonderen Situation im nördlichen Teil der Hofflächen begründet sein. Die Artenzahl der Laufkäfer war dort schon vor der Umstellung signifikant gering. Durch die Umstellung und/oder durch klimatische Faktoren kam es zu einem Artenrückgang, der wegen der langsamen Ausbreitungsgeschwindigkeit der mehrheitlich flugunfähigen Arten bisher nicht kompensiert wurde. Die Nicht-Existenz naturnaher Elemente erschwert eine Neubesiedelung der Felder. Die Mehrheit der Laufkäfer-Arten schien während einer ackerbaulichen Vegetationsperiode nicht in der Lage zu sein, 100 Meter oder weiter entfernte Gebiete zu erreichen. Dies wird durch die signifikant fallenden Werte von Artenzahl und -vielfalt bei zunehmendem Abstand zum Feldrand nicht nur in dieser Untersuchung belegt (Schröter & Irmler 1999, Basedow 1991).

Die Staphyliniden waren durch ihre Flugaktivität in der Lage, zügig auf Veränderungen der Umgebung zu reagieren. Die signifikante Zunahme der Artenvielfalt der Kurzflügelkäfer in den ökologischen Feldern 2002 und 2003 kann ein erster Beleg für positive Auswirkungen nachhaltiger Landwirtschaft sein.

 

Literatur

  • Basedow, T. (1990): Jährliche Vermehrungsraten von Carabiden und Staphyliniden bei un-terschiedlicher Intensität des Ackerbaus. Zoologische Beiträge 33; 459–477.
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  • Heydemann, B. (1953): Agrarökologische Probleme, dargetan an Untersuchungen über die Tierwelt der Bodenoberfläche der Kulturfelder. Dissertation Universität Kiel.
  • Heydemann, B. (1955): Carabiden der Kulturfelder als ökologische Indikatoren. Ber. 7. Wandervers. Dtsch. Entomol. 1954, 172–185.
  • Hingst, R., Irmler, U. & Steinborn, H.-A. (1995): Die Laufkäfergemeinschaften in Wald- und Agrarökosystemen Schleswig-Holsteins. Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 9, 733–737.
  • Hoernes, U. & Irmler, U. (2004): Räumliche Verteilung epigäischer Carabiden in einer halboffenen Weidelandschaft in Abhängigkeit von Nutzung und Standortparametern. Faun.-Ökol. Mitteilungen Supplement 31, 57–104.
  • Irmler, U. (2003): The spatial and temporal pattern of carabid beetles on arable fields in northern Germany (Schleswig-Holstein) and their value as ecological indicators. Agriculture, Ecosystems and Environment 98, Elsevier Amsterdam; 141–151.
  • Irmler, U. & Gürlich, S. (2004): Die ökologische Einordnung der Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae) in Schleswig-Holstein. Faunistisch-Ökologische Mitteilungen, Supplement 32.
  • Schröter, L. & Irmler, U. (1999): Einfluss von Bodenart, Kulturfrucht und Feldgröße auf Carabiden-Synusien der Äcker. Faunistisch-Ökologische Mitteilungen, Supplement 27.
  • Symondson, W.O.C. et al. (2002): Dynamics of the relationship between a generalist predator and slugs over five years. Ecology 83; 137–147.
  • Thomas, C.F.G., Parkinson, L. & Marshall, E, J.P. (1998): Isolating the components of activity-density for the carabid beetle Pterostichus melanarius in farmland. Springer-Verlag, Hamburg-New York, Oecologia 116; 103–112.



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