Pflanzenbau - Gülledüngung

Optimierung der Wirtschaftsdüngung zu Getreide unter besonderer Berücksichtigung standörtlicher Gegebenheiten


Projektlaufzeit: 2004–2007
Projektbearbeiter: Derk Westphal

Da im ökologischen Landbau auf den Einsatz leicht löslicher mineralischer Stickstoff-Düngemittel verzichtet wird, sind die Möglichkeiten, Getreide bedarfsgerecht mit Stickstoff zu versorgen, sehr stark eingeschränkt. In Ökobetrieben mit Viehhaltung stehen Wirtschaftsdünger, wie z. B. Gülle und Jauche, als relativ variabel einsetzbare Düngemittel zur Verfügung. Wirtschaftsdüngemittel stellen eine interessante Möglichkeit dar, um auch im ökologischen Landbau hohe Getreideerträge mit guten Qualitäten zu erzielen. So zeigten Versuche an der Universität Kiel, dass Güllegaben zu ökologisch angebautem Weizen das Potential zu deutlich verbesserte Erträgen und Qualitäten haben (Dreymann et al., 2003). Allerdings liegen z. B. bei Gülle nur ca. 50 % des Stickstoffs in mineralischer Form vor, und ca. 10 % der ausgebrachten N-Menge gehen bei der Applikation verloren. Daher ist erst ab Güllegaben von 150 bis 200 kg Gesamt-N je ha mit zufriedenstellenden Erträgen und Qualitäten zu rechnen. Solch hohe Güllegaben lassen sich auf vieharmen Betrieben durch eine Kooperation mit viehhaltenden Betrieben (Tausch von Kleegrasaufwüchsen gegen Wirtschaftsdünger), eine Verteilung der Gülle auf einzelne ausgewählte Getreideflächen oder durch eine Teilflächenspezifische Ausbringung erreichen. Eine standortspezifische Applikation erscheint sinnvoll, da es stark von der Bodengüte abhängt, in wie weit Getreide die Gülle effizient in Ertrag und Qualität umsetzen kann. Unter der Kenntnis der Wechselwirkung von Bodengüte und Gülleapplikation auf die Ausprägung von Ertrag und Qualität ließen sich mittels entsprechender technischer Ausstattung gerade im ökologischen Landbau mengenmäßig begrenzte Güllegaben teilflächenspezifisch je nach Ertragspotential des jeweiligen Teilstückes in gesteigerte Leistungen des Gesamtschlages umwandeln. Doch gerade im ökologischen Landbau liegen zum Aspekt der teilflächenspezifischen Gülleapplikation keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse vor. 

Auf Hof Ritzerau werden – nach Bodenart und Bodentyp – ausgewählte Teilareale von Winterweizenschlägen jeweils mit und ohne Gülleapplikation bewirtschaftet, um die Effizienz der Wirtschaftsdüngerausbringung zu ermitteln (siehe Abbildung 3). Im Rahmen der Feldversuche werden die folgenden Parameter erhoben:

  • Ertragsbildung und N-Aufnahme (Zuwachsbeprobungen und N-Gehaltsbestimmung der Sprossmasse),
  • Ertragsstrukturanalyse (Kornertrag, TKM, Kornzahl je Ähre, Korn-Rohproteingehalt),
  • Messungen der Verfügbarkeit von Bodenstickstoff (N min, N org) durch regelmäßige Beprobungen im Vegetationsverlauf,
  • Nitrat-N-Auswaschung über keramische Saugkerzen.

 

Die Jauche-Applikationsmenge wurde so bemessen, dass aufgeteilt auf zwei Teilgaben eine Stickstoffgabe von ca. 100–120 kg/ha verfügbarer Stickstoff appliziert wurden. Dieses entspricht in etwa der Hälfte der früher am Standort Ritzerau zu konventionellem Hochertragsweizen applizierten N-Menge. Die beiden Applikationstermine orientieren sich mengenmäßig am Bedarf des Weizens. Durch die bodennahe Ausbringung mit Schleppschläuchen in den wachsenden Getreidebestand werden Stickstoffverluste minimiert.

 

 

Literatur

  • Dreymann, S., Loges, R., Taube, F., 2003: Einfluss der Kleegrasnutzung auf die N-Versorgung und Ertragsleistung marktfähiger Folgefrüchte unter Berücksichtigung einer variierten organischen Düngung. In: Freyer, B. (Hrsg.) Beiträge zur 7. Wissenschaftstagung zum Ökologischen Landbau "Ökologischer Landbau der Zukunft". Universität für Bodenkultur Wien – Institut für ökologischen Landbau, 89–92.

 

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