Teilprojekt: Schmetterlinge

Naturnahe Waldsäume als Lebensraum von Schmetterlingen

Zusammenfassung

Die Entwicklung von Waldsäumen unter dem Einfluss von und ohne Rinderbeweidung wird auf dem „Hof Ritzerau” in Hinblick auf die Schmetterlingsfauna vergleichend untersucht. Das Spektrum der Waldränder reicht dabei von naturnah bis stark durch die Bewirtschaftung beeinträchtigt. Im Jahr 2008 wurde mit der Beweidung eines abgezäunten Waldbereiches von 0,7 ha im Südosten des sogenannten Peperlands begonnen. Zusätzlich wurden 0,4 ha Grünland mit einer Leguminosen-Gräser-Mischung eingesät. Seitdem werden jährlich je drei Limousine-Rinder in zwei Beweidungsintervallen, zum Blattaustrieb der Buchen im Frühjahr und zur Buchenmast im Herbst, auf den insgesamt 1,1 ha aufgetrieben. Die für eine Bewertung der Ergebnisse erforderlichen Vergleichsuntersuchungen erfolgten an den nicht weit entfernten Waldrändern des Abendrader Forstes sowie der Duvenseebachniederung, welche von der Vegetationsstruktur und der Exposition dem Südrand des Peperlandes sehr ähnlich sind. Die Auswirkung der Beweidung wird mit Hilfe unterschiedlicher Methoden erfasst. So erfolgt entlang feststehender Transekte sowohl ein Monitoring von Raupen gehölzbewohnender Schmetterlingsarten als auch von Tagfaltern entlang des Waldrandes aber auch im Waldesinneren. Gleichzeitig werden zur Erfassung des Gesamtartenspektrums der Schmetterlinge im Untersuchungsgebiet zwei automatische Lichtfallen von März bis Oktober eingesetzt. Abschließend wird die Vegetationsentwicklung anhand von Vegetationsaufnahmen und Verbisskartierungen verfolgt. 

Stichwörter

Waldsaum, Schmetterlingszönose, Waldweide, Raupen, Lichtfallen

Teilprojektinformationen

Teilprojektlaufzeit: seit 01.05.2003
Wissenschaftliche Koordination: Prof. Dr. Hartmut Roweck
Wissenschaftliche Bearbeiter: Dr. Detlef Kolligs; Nikolaj Savenko

 

Wie lassen sich naturnahe Waldsäume als Lebensraum artenreicher Schmetterlingsgesellschaften unter besonderer Berücksichtigung der Waldweide entwickeln?

Bisherige Untersuchungen

Bisher stand die Fragestellung nach dem Arteninventar und der naturschutzfachlichen Bedeutsamkeit der vorhandenen Waldsäume und Knicks im Vordergrund. So wurden vor allem die unterschiedliche anthropogene Beeinflussung und Strukturierung der Waldsäume im Vergleich zum naturnahen Waldsaum der Duvenseebachniederung untersucht.

Folgenden Fragestellungen wurde nachgegangen:

  • Unterscheidet sich die Schmetterlingsgesellschaft der Waldränder mit natürlicher Entwicklung von denen mit bewirtschafteten Strukturen?
  • Welche Bedeutung haben Knicks, Hecken und Waldränder als Entwicklungshabitat für Schmetterlingsarten?
  • Wie sollte ein Waldrand als Lebensraum einer möglichst artenreichen Schmetterlingsfauna strukturiert sein?

Im 2005 begonnenen weiterführenden Forschungsansatz wird der Einfluss der Beweidung mit Rindern im Wald im Hinblick auf die Besiedlungsdynamik gehölzbewohnender Schmetterlinge mit in das Monitoring einbezogen. Die klare Trennung zwischen Wald und Ackerflächen ist rein künstlich durch den Menschen erzeugt und entspricht nicht den natürlichen Verhältnissen. Es wird erwartet, dass durch die Rinder mehr Strukturvielfalt und lichtere Bereiche im Waldsaum entstehen werden, wodurch für weitere Arten Lebensraum geschaffen wird.

So steht die Untersuchung und Dokumentation der Wechselbeziehungen zwischen Wald- und Offenlandarten bzw. die Bedeutung des Lebensraumes des Waldrandes als verbindendes Element zwischen den unterschiedlichen Lebensgemeinschaften und als potentieller Lebensraum bisher nicht im Projektgebiet vorkommender Arten im Focus.

Folgende Fragestellungen sind hierbei besonders interessant:

  • Wie entwickelt sich die Artenfluktuation im Vergleich Wald – Acker – Saumstrukturen?
  • Entwickeln sich stabile Populationen seltener und gefährdeter Arten?
  • Sind aufgrund der Waldweide Besiedlungseffekte wärme- bzw. offenlandliebender Arten im Wald zu verzeichnen?
  • Wie ist die Besiedlungsgeschwindigkeit, und welches Artenpotential ist vorhanden?
  • Welche Arten sind auf Saumstrukturen angewiesen und deshalb in der heutigen Landschaft weitgehend verschwunden – vermitteln sozusagen zwischen Wald und Offenland?

 

Methodik

Die Arbeit ist dabei auf die gehölzbewohnenden Schmetterlinge fokussiert, da die Raupen mit Hilfe der Klopfmethode gut nachzuweisen sind. Dabei wird ein Tuch oder ein umgedrehter Regenschirm unter die Äste gehalten, die dann von oben mit einem Stock abgeklopft werden. Die dort befindlichen Raupen lassen sich fallen und können dann auf dem Tuch qualitativ und quantitativ bestimmt werden. Zusätzlich werden die Blätter nach Minen von Schmetterlingsraupen abgesucht.

Nur wenn sich die Tiere nicht eindeutig vor Ort determinieren lassen, werden sie im Labor bis zum Falter weitergezüchtet. So ist eine sichere Artdiagnose gewährleistet.

Zusätzlich wurden im Projektgebiet zwei automatische Lichtfallen installiert. Sie dienen dazu, möglichst viele Informationen über den Gesamtartenbestand im Projektgebiet zu bekommen. Insbesondere Arten, die im Larvalstadium nur die Baumkronen besiedeln, lassen sich so zusätzlich nachweisen. 

 




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